Kapitel I

Ein Brief aus dunkler Stund – Teil I

In dem kleinen Gemach brannte nur eine einzelne Kerze, welche damit begann unter der Last des überschüssigen Wachses und dem bereits zu kurzem Docht zu ersticken. Offen lag der Unheil verkündende Brief vor ihm. Es war kein einfacher Bürger, kein vertrauter gläubiger der Vigilie, noch eines der Ratsmitglieder der Inquisition: Es war seine Familie, welche nun von den dunklen Schatten dieser Zeit bedroht wurde.

Regulos und der übrige Teil dieser tödlichen Geissel, dem Blutsturm, rüsteten erneut zum Kampf und forderten blutige Rache. Wenn nicht jetzt, wann dann sollte die Inquisition handeln? In jenem Moment hauchte ein leichter Wind den letzten Lebensfunken der Kerze aus und Tholrrus Augen blickten aus der Finsternis seiner Unterkunft, hinaus in die vom Mond erleuchtete Nacht.

Für einen kurzen Moment war es Totenstill, dann leuchteten Tholrrus Augen in einem silbernen Glanz, seine Mundwinkel schienen sich zu bewegen und flüsterten geheimnissvolle Worte in die Dunkelheit:
“Echui gwilwileth in fuin…” Mit einem mal erwachten silberne Augen aus den Schatten und eine kleine Fee mit schwarzen Flügeln gab sich zu erkennen. “Ihr habt gerufen, Meister?” Sprach das kleine Wesen mit sanfter Stimme zu Tholrrus. “Melodia, schick ihn zu mir…sofort!” Entgegnete Tholrrus seiner Dienerin, mit ernster Miene.

“Wie ihr wünscht, Meister…” So verschwand Melodia wieder in die Schatten der Nacht. Als seine Dienerin verschwunden war, öffnete er eine Schublade seines schweren Eibentisches und holte eine neue Kerze hervor um sie gegen die Alte aus zu tauschen. Als die Kerze im Halter steckte, hauchte Tholrrus dem Docht ein magisches Wort zu und es wurde wieder hell in seinem kleinen Gemach. “Ich hoffe, ich werde diese Entscheidung…nie bereuen müssen.” Mit diesen Worten lehnte er sich zurück in den massiven Stuhl und wartete geduldig auf die Ankunft eines anderen Dieners der Inquisition. Einem äußerst seltsamen und undurchsichtigen Diener…

Ein Brief aus dunkler Stund – Teil II

In einem kleinen Zelt, auf dem Kriegshof von Sanctum…

Es war eine ruhige Nacht in der heiligen Stadt der Vigilie und der helle Vollmond am Himmel, erfüllte den gesamten Kriegshof mit einem so starken Licht, als wäre es helligter Tag. Doch während der Großteil der Stadt im tiefen Schlaf versunken war, beobachtete eine kleine, jedoch recht stämmige Gestalt, den klaren Nachthimmel aus einem der kleineren Zelte heraus. Die Gestalt war in eine dunkle Robe gehüllt und eine Kapuze hing ihr tief ins Gesicht, doch von seiner Statur, seiner Mimik und Gestik, sowie die Tatsache das er just in diesem Moment eine Kräuterpfeife rauchte und ein leerer Bierkrug auf dem Boden lag, gab jedem anderen Volk in Telara zu verstehen um was für einen Zeitgenossen es sich handelte: einem Zwerg.

In ganz Telara waren die Zwerge gern gesehen, sogar auf der Seite der Skeptiker, waren sie doch seit dem Tage als Bahralt – der große Schöpfergott – ihnen das Geschenk des Lebens machte, große Meister der handwerklichen Künste und später auch der Magie. Doch dieser Zwerg in seiner dunklen Robe, stellte eine Seltenheit in seinem Volke bezüglich seiner Berufung dar, denn er war einer der wenigen Magier, welche sich den dunklen Künsten verschrieben hatten – der Hexerei und Nekromantie. Seit dem Untergang von Hammerhall, wandten sich viele Magier von der dunklen Magie ab, weil Sie fürchteten ein noch viel schlimmeres Unheil über ihr nun heimatloses Volk zu bringen. All jene Zwerge, die trotz dieses schweren Schicksalsschlages, weiter ihre Studien der dunklen Mächte widmeten, wurden oft zu unausgesprochenen Ausgestoßenen ihres Volkes und des eigenen Klanes. So wie auch dieser Zwerg, welcher nun unter beschwerten Blick seine neuen Befehle, welche ihm von der heiligen Inquisition der Vigilie übergeben wurden, erneut mit einem weiteren Zug aus seiner Kräuterpfeife betrachtete. Der Name dieses Zwergen-Hexenmeisters war…

“Ralgor!” Aus der Dunkelheit des kleinen Zeltes hinter dem Hexenmeister, blitzte nun zornig ein silberfarbiges Augenpaar in die Richtung des Zwerges, welcher immer noch ruhig vor sich hin grübelnd das Befehlsschreiben der Inquisition betrachtete. Doch die kleine Fee mit schwarzen Flügeln, lies sich nicht in ihrer Aufgabe beirren und predigte munter auf Ralgor ein…
“Wie lauteten die Befehle meines Meisters noch gleich…solltest du nicht schon seit Tagen damit beschäftigt sein neue Solda…ich meine…”Gefährten” für deine zukünftigen Missionen zu suchen!? Du bist wie immer zu nichts zu gebrauchen…” Das Zucken einer Augenbraue und das bei Seite legen des Dokumentes und der kräftige Zug aus seiner Pfeife, hätte jedem der Ralgor kannte verraten, dass seine Seele bei einer solchen Wortwahl gerade zu vor Zorn fast überkochte. Melodia, die Dienerin von Bruder Tholrrus jedoch, hatte keine Ahnung worauf Sie sich da eingelassen hatte.

“Halt deinen vorlauten Schnabel du nervtötende schwarze Fliege, sonst rufe ich Hektor und lasse ihn mit dir spielen!” Und im letzten Atemzug flog Melodia ein für Sie tonnen schwerer Bierkrug entgegen, welcher die kleine Fee nur knapp verfehlte. Außer sich vor Wut über dieses nur knapp gescheiterte Attentat, gegenüber einer loyalen Dienerin der Inquisition, versuchte die kleine Fee sich so bedrohlich auf zu plustern wie Sie es konnte – was jedoch angesichts ihrer Größe – einen äußerst belustigenden Eindruck vermittelte. “Wie kannst du es nur wagen MIR, der treuen Dienerin des großen Tholrrus, so zu drohen?! DAS lasse ich mir nicht bieten und ich werde meinem Meister davon in Kenntniss setzen, darauf kannst du dich verlassen!”

Leider hatte Melodia Ralgors leichtes Grinsen unter seiner tief sitzenden Kaputze nicht sehen können, denn er war ein äußerst ungeduliger Zeitgenosse und äußerte eine “Bitte” kein zweites mal. Der Hexenmeister, schrieb mit magischen Linien in seine linke Handfläche eine einzelne Rune, richtete seine Hand hinunter zum Boden und berührte mit seinem Zeigefinger die leicht feuchte Erde. Plötzlich schoss die Hand eines Skeletts aus dem Erdreich empor, schnappte sich in einer übernatürlichen Geschwindigkeit die kleine Fee und hielt Sie in seinem eisernen Griff gefangen. Hektor – der treue, untote Diener von Ralgor war erschienen um Melodia eine kleine Lektion zu erteilen…

Melodia verstummte mit einem mal und ihre Augen waren von Angst erfüllt. Sie versuchte verzweifelt sich aus Hektors Griff zu befreien, doch der Untote verfügte – obwohl er noch nicht einmal eine einzige Muskelfaser mehr besaß – über unheimlich viel Kraft. “Wenn du mich auch nur im Ansatz kennen würdest Melodia, dann wüsstest du, dass man mich bei jeder Äußerung ernst nehmen sollte und ich nicht lange damit warte diese in einer Aktion um zu setzen!” Als Ralgor seine Kapuze zurück zog, zuckte die kleine Fee voller Furcht, vor dem finsteren Blick des Hexenmeisters zusammen. “Bitte…töte mich nicht! Bitte, bitte, Ralgor…”
Entzückt über die Panik in den Augen von Melodia, konnte der Zwergen-Hexenmeister sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. “Schon viel besser! Kleine schwarze Fliege…” Grundsätzlich war Ralgor weder böse, noch hatte er gefallen an der Quälerei gefunden, doch die kleine Fee hatte es seiner Ansicht nach einfach nicht anders verdient.

“Hör zu Melodia, ich weis das Tholrrus seine Zeit nicht gerne verschenkt, daher rate ich dir in Zukunft mir einfach zu sagen was dein Meister von mir will, oder aber dies wird nicht das einzige Mal sein bei dem Hektor dich willkommen heißt…” Ralgor griff nun nach seinem magischen Stab, richtete sich zu seiner vollen Größe vor Melodia auf und richtete die beiden Spitzen des Stabes direkt auf den gefangenen Körper der Fee. “…nun möchte ich ganz einfach von dir hören, warum Tholrrus dich zu mir geschickt hat und dann, lasse ich dich vielleicht wieder frei, verstanden?”

Auf diese Worte folgend, nickte Melodia hastig – mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck – dem Hexenmeister entgegen.
“Gut! Und jetzt….SPRICH !” Schließlich bewegte die Fee zitternd ihren kleinen Mund und sagte dem Hexenmeister was er hören wollte: “Er verlangt auf der Stelle nach euch, es geht wahrscheinlich um eure erste Mission und ich denke er nimmt an, dass ihr schon einige Gefährten um euch herum versammelt habt, aber genaues weis ich nicht…und jetzt…lasst mich BITTE wieder frei!” Mit einem erhabenden Blick, klopfte Ralgor mit seinem Stab drei mal auf die Erde unter ihm, worauf Hektor seinen Griff um die kleine Fee lockerte, Sie sich befreite und in eine dunkle Ecke des Zeltes zurück zog. “Du hast gut daran getan mir Respekt zu zollen, kleine Fee. Halte dieses Gespräch für unsere zukünftigen Begegnungen also in guter Erinnerung, sonst könnte ich beim nächsten Mal doch etwas zu weit gehen, aus versehen versteht sich…” Mit einem noch breiteren Grinsen als zuvor, zog Ralgor nun die Kapuze seiner Robe, wieder tief ins Gesicht, machte auf dem Absatz kehrt und trat hinaus in die vom Vollmond erleuchtete Nacht…

Ein Brief aus dunkler Stund – Teil III

In den heiligen Hallen der Inquisition, Tholrrus Quartier…

Es waren bereits viele Jahre, welche in Telara Einzug gehalten hatten, seit seinem letzten Besuch dieser Hallen. Ralgor war sich nicht mehr ganz sicher, aber es mussten wenigstens fünfzehn, wenn nicht sogar zwanzig Jahre seit seinem letzten Schritt auf diesem samtweichen Teppich, mit diesem protzigen Elfenstickereien, vergangen sein. Vielleicht waren es aber auch fünfundzwanzig Jahre…doch spielte es absolut keine Rolle. Natürlich mochte er diesen Ort überhaupt nicht, weil alles in der großen Feste der Vigilie so wirkte, als stammte es aus der “großartigen Feder” der Elfen, obwohl es die Handwerkskunst seines Volkes war. Und um den ganzen die Krone eines Betrügers auf zu setzen, wurde alles mit der gekünstelten “Schönheit und Anmut” der Elfen verziert, auf welche Sie so stolz waren…

Ja, besonders dieser Teil von Sanctum gefiel Ralgor überhaupt nicht. Doch was Ralgor noch weniger schmeckte, als der vorhandene – scheinbar überlaufende – Quell elfischer Handwerkskunst, waren seine neuen Meister denen er nun diente. Doch hierbei meinte er keines Falls die Götter der Vigilie selbst, sondern hauptsächlich hohe Vertreter der heiligen Inquisition, denn Sie waren die Schuldigen, welche er für seine Gefangenschaft in dieser misslichen Situation verantwortlich zeichnete und ihn dazu zwang ihnen zu dienen. Allerdings tröstete ihn der Gedanke, dass Sie sich mit ihrer eigenen Tat vor so vielen Jahren, zum ersten Mal seit ihrem bestehen selbst ins eigene Fleisch geschnitten hatten. Wie gesagt, es war nur ein kleiner Trost für ihn und vielleicht würde er auch niemals die Genugtuung empfinden, nach der er sich noch nach all den Jahren so sehr sehnte.

Jedoch waren all die Geschehnisse und die verbundenen Emotionen der Vergangenheit, nicht der Grund dafür das er sich auf diesem Grund und Boden, diesen Gängen und Wendeltreppen dieser Feste bewegte. Auch die Tatsache, dass er in nur wenigen Augenblicken, dem Zwerg in die Augen schauen würde, welchen er die meiste Schuld an seinem Schicksalsweg auferlegte, änderte daran nichts. Der Grund für sein Erscheinen in dem aller heiligsten der Inquisition, lag weit verborgen in einer neuen Zukunft, auf einem neuen Pfad, welchem ihm die Götter der Vigilie eröffnet hatten und wie Ralgor glaubte, aus reinem Mitleid seiner Seele gegenüber. Der Hexenmeister hoffte einfach inständig darauf, über seine neue und vor allem erste Mission, einen großen Schritt in Richtung Freiheit zu kommen, denn er hasste es als alleiniger Wachköter für die Inquisition zu arbeiten. Ralgor wollte nur den Göttern dienen, nur Sie sollten über ihn stehen, denn dies war er dem großen Bahralt schuldig.

“Wo wollt ihr hin Ralgor? Ihr scheint wohl gerne über das Ziel hinaus zu schießen…” Fing eine ihm bekannte Stimme, hinter seinem Rücken an zu kichern. Überrascht über seine eigene Unachtsamkeit, beachtete der Zwerg diese nicht weiter und begab sich einige Schritte zurück, bog einmal rechts ab und folgte einem immer breiter werdenden Gang. Am Ende erwartete den Hexer eine recht prachtvolle Bogentür, vor der er nun einige wenige Schritte entfernt stehen blieb. “So, ists brav. Über diesen stillen Respekt der Exzellenz gegenüber, erfreue sogar ich mich!” Es war, wie sollte es auch anders sein Melodia, die kleine Fee und Dienerin von Tholrrus welche Ralgor allem Anschein nach noch immer folgte. Allerdings hatte der Hexenmeister, die Worte der Fee sehr wohl vernommen und lies es Melodia auch so gleich verspüren: “Heeeektoooor…..?!” Wobei Ralgor peinlichst bei der Aussprache dieses einzelnen Wortes, so viel bevorstehendes Unheil mit schwingen lies wie nur irgendwie möglich.

“Oh nein…nein, bitte verschone mich!” Mit diesen Worten verschwand Melodia, so schnell wie Sie hinter Ralgor aufgetaucht war und hinterlies nichts weiter als eine kleine, silberfarbene Sternenwolke in der Luft. “Viel zu einfach…” Und ein breites Grinsen legte sich erneut über die Lippen des Hexenmeisters, ehe er den Türgriff hinunter zog und das Gemach von Tholrrus betrat, bereit sich seinem neuem Schicksal zu stellen. Gleich nach dem der Hexenmeister seinen Fuß in das Quartier des alten Zwergs setzte, fiel Ralgor ein recht seltsam vertrauter Duft in die Nase, doch egal wie lange Ralgor in seinem Gedächtnis forschte, er konnte penetranten Geruch einfach nicht zuordnen. Als nächstes fiel dem Hexer auf, dass nur eine einzige Kerze den Raum erhellte, was genau so ungewöhnlich war für Tholrrus.

Tholrrus selbst hatte es sich in einem, im Vergleich zum restlichen Mobiliar, recht spärlichen Holzstuhl mit einer leichten Stoffpolsterung bequem gemacht. Eigentlich hatte Ralgor erwartet, dass der alte Zwerg noch einige Pergamente untersuchte und er sich erst bemerkbar machen musste, doch Tholrrus hatte wohl eher seit einer geschlagenen Ewigkeit ausschließlich die Tür fixiert, denn seine stahlgrauen Augen des Veteranen waren das erste was Ralgors Blick ausfüllte. “Ihr habt euch ganz schön viel Zeit gelassen, Ralgor.” Folgend dieser Worte, strich sich Tholrrus mit einer Hand mehrmals durch seinen dichten, schneeweißen Bart, ganz so als wolle er sich mit dieser Geste selbst beruhigen. Ralgor handelte ganz der Sitte und Pflicht seines Ranges: Er wandte seinen Blick von Tholrrus ab, hinunter auf den steinernen Boden, legte seinen Magierstab bei Seite und verschrenkte schließlich seine beiden Arme vor der Brust. Dann erhob er sich wieder und entgegnete Tholrrus Bemerkung mit folgender, höfflichen Begrüßung: “Ihr hab nach mir gerufen eure Exzelenz, hier bin ich…”

“Nanu, warum legt ein Zwerg wie ihr es seit den auf einmal Wert, auf solch höfliche Frasen?” Natürlich hatte Tholrrus, die übertriebene Höflichkeit von Ralgor nicht übersehen, doch dem Hexenmeister war dies vollkommen egal, er hoffte nur damit dieses Gespräch so schnell wie möglich zu Ende zu bringen und seine eigenen Pläne endlich in Angriff nehmen zu können. “Nun denn, es soll mir recht sein und um ehrlich zu sein, beschäftigen meinen Geist deutlich wichtigere Dinge, als euren Gesinnungswandel – Ralgor.” Der Blick des alten Zwerges, wanderte von Ralgor, direkt zu einem versiegelten Brief welcher auf der Oberfläche des schweren Eichentisches ruhte. Tholrrus nahm den Brief in beide Hände und drehte in abwechselnd mal vorne, dann wieder zurück. Schließlich fixierte der alte Zwerg mit seinem Blick, wieder den Hexenmeister und warf dann in einer lockeren Handbewegung, den versiegelten Brief vor Ralgors Füße.

“Ihr werdet euch auf der Stelle nach Dämmerscheid begeben, ich gewähre euch daher den Zugang zum Porticulum. In Dämmerscheid angekommen, werdet ihr einen Mann namens Golran aufsuchen und ihm diesen Brief übergeben. Golran ist ein loyales, zuverlässiges und hohes Mitglied der Inquisition. Darüber hinaus ist er mein Vetter und eines Tages wird er vielleicht auch meine Nachfolge antreten.” Tholrrus pausierte für einen Moment um Luft zu holen und strich sich erneut durch den Bart. “In den Brief sind sowohl eure Ankunft, als auch eure weiteren Instruktionen von meiner Seite aus erklärt und ich erwarte von euch das ihr diesen entsprechend folge leistet!” Dabei betonte Tholrrus diesen Satz wie immer mit seiner aus Ernst versteinerten Miene und seinem alt bekannten “mahnenden Zeigefinger”.
“Für eure Vorbereitungen, räume ich euch eine halbe Stunde ein, danach seid ihr aus dieser heiligen Stadt verschwunden…” Und um diese Worte zu unterstreichen, beugte Tholrrus sich zu Ralgor vor und zeigte gleichzeitig hinaus mit seiner rechten Hand hinaus in die hell erleuchtete Nacht, dann lehnte er sich wieder zurück und faltete seine Hände, wie zum Gebet vor seinem Gesicht zusammen. “…außerdem, wird euch Melodia bei eurer Mission begleiten und mir über eure Taten bericht erstatten!”

Bis zu diesem Moment, konnte Ralgor seinen eben bekommenen Befehl nach vollziehen, doch als er den Namen von Tholrrus nervender Dienerin vernahm war Ralgor kurz davor, vor lauter Wut alles Leben aus Sanctum zu vertreiben und aus Tholrrus leblosen Überresten – einschließlich der seiner Dienerin Melodia – zwei neue untote Haustiere zu zaubern.
Doch der Hexenmeister wusste sich zu beherrschen und diesen Umstand der Dinge, einfach als das wahrscheinlich kleinste Übel dieser Mission hin zu nehmen. “Ich verstehe eure Exzelenz…aber…” Noch ehe Ralgor weiter sprechen konnte, unterbrach ihn Tholrrus barsch mit folgenden Worten: “…dann ist ja alles geklärt, Ralgor. Und nun…verschwindet!” Darauf hin machte der Hexer, direkt auf dem Absatz kehrt, ohne Tholrrus auch nur eines einzigen weiteren Blickes zu würdigen und lies beim verlassen des Gemaches die Tür mit einem Donnergrollen ins Schloss fallen. Ralgor schluckte all seine Wut hinunter und konzentrierte sich nun vollkommen darauf, seine Abreise aus dieser “heiligen Stadt” schnell hinter sich zu bringen. Eines Tages, würde er bekommen was er wollte, nur eben nicht Heute, es war ein Tag wie jeder andere zuvor…ein Tag der Dienerschaft, doch…eben jene neigten sich dem Ende zu…